Kapverden: Über eine Reisebegegnung, die ich niemals vergessen werde

19. Mai 2016

Ariane hat auf ihrem Blog Heldenwetter zur Blogparade „Reisebegegnungen“ aufgerufen. Weil ich das Thema sehr schön finde, mache ich mit und möchte dich heute mit Eddie bekannt machen. Die Begegnung mit ihm liegt mir sehr am Herzen und darüber zu schreiben war längst überfällig. Danke, liebe Ariane, dass du mit deiner Aktion den Anstoß gegeben hast. Und weil wir in Oman eine ähnlich schöne Begegnung hatten, wird ganz sicher bald ein weiterer Beitrag zu diesem Thema folgen. Aber jetzt sag erst einmal Hallo zu Eddie.

Eddie

Weißes T-Shirt, schwarze Shorts, Flip Flops an den Füßen, eine Sonnenbrille auf der Nase und Rastazöpfe, die gut gelaunt um einen Kopf tanzen. So lernten wir Eddie, der in Santa Maria auf der Insel Sal lebt, 2013 kennen. Zum ersten Mal getroffen haben wir ihn, weil wir eine Stadtführung durch Santa Maria gebucht hatten und er uns am ersten Morgen als unser Guide vom Hotel abholte. (An diesem Tag hatten wir übrigens auch zwei Begegnungen, die nicht ganz so toll waren, über die ich inzwischen aber lachen kann. Lest einfach selbst.) Auch am zweiten Tag stand Eddie vor unserer Tür, um uns zu einem weiteren geplanten Ausflug einzusammeln, der zur extravagantesten Inselrundfahrt ever wurde.

Von da an verbrachten wir so ziemlich jede freie Minute miteinander. Sind abends um die Häuser und durch die Kneipen gezogen. Haben gestaunt, als er in einer Bar, in der Live-Musik gespielt wurde, plötzlich hinter einer Trommel verschwand und mitmachte. Wir mieteten ein Auto und rauschten noch einmal gemeinsam über die Insel, um schnorcheln zu gehen und Haie zu schauen. Seit der ersten Begegnung plante Eddie ein Fish Barbecue, das er mit uns machen wollte. Und so saßen wir an unserem letzten Abend auf Sal mit ihm und seinen Freunden am Strand. Das Lagerfeuer knisterte, die Sterne funkelten, die Wellen rauschten – begleitet von Eddie, der auf seiner Gitarre spielte und so schön dazu sang, dass sich der Moment einfach perfekt anfühlte. Dieser und alle anderen, die wir gemeinsam hatten, werde ich nie vergessen. Sie haben diese Reise zu etwas Besonderem gemacht. Denn so etwas lässt sich nicht planen. Das sind Zufälle, die einfach passieren und dann kann man sich glücklich schätzen. Die Erinnerungen an diese Begegnungen sind kostbar und bleiben für immer.

Und Eddie? Der wohnte in einer kleinen Wohnung. Das Haus stand am Rande der Stadt, in einer staubigen Straße, die nicht einmal einen Namen hatte. Eddie war damals schätzungsweise zwischen Mitte und Ende 20, sprach mindestens vier Sprachen und hatte in Portugal studiert oder war da zur Schule gegangen – ganz genau weiß es nicht mehr. Sicher hätte er auch an einem anderen Ort Fuß fassen können, aber von den Kapverden wollte Eddie nicht wieder weg. Nicht nur, weil fliegen nicht so sein Ding ist. Auch weil ihn die Kälte des portugiesischen Winters fertig gemacht hat. Also lebt er bei ausgeglichenen Temperaturen auf Sal. Ein Energiebündel, dass mitnimmt, was kommt und gibt, was es kann. Ein Grund ist ganz sicher auch, dass er seine Heimat, Familie, Freunde und das Meer über alles liebt. Vielleicht hat er nicht viel, vielleicht ist er nicht immer glücklich. Es gab auch Momente, in denen ich diesen talentierten jungen Mann nachdenklich und fast ein wenig traurig gesehen habe. Wer weiß, was ihm das Herz so schwer gemacht hat. Er schlägt sich durch, verdient sein Geld als Tour Guide bei einer kleinen Tourismus-Agentur und zeigt Urlaubern, die sich aus ihrer Hotelanlage heraus wagen, seine Stadt und seine Insel, erzählt Geschichten, gibt Tipps und beschert Erlebnisse, die man sonst in dieser Form nicht hätte.

Und als wir von Sal nach Sao Vicente aufbrechen, ist es, als würden wir einen Freund zurück lassen. Ein Freund von dem wir uns nicht verabschieden konnten, weil wir uns morgens am Strand verpasst haben. Wir lassen nichts unversucht und auf dem Weg zum Flughafen, muss der Taxifahrer einen Umweg zu Eddies Haus machen. Wegfahren ohne Leb wohl zu sagen ist nach all dem einfach undenkbar. Wir haben Glück und treffen ihn tatsächlich noch, können uns verabschieden und noch schnell Facebook-Adressen austauschen. Seitdem sind wir wenigstens dort miteinander verbunden und es ist ganz klar: Sollten wir jemals wieder auf die Kapverden fliegen, dann werden wir als allererstes Eddie einen Besuch abstatten.

Eddie, auch wenn du das hier nie lesen wirst: Danke, tausend Mal Danke, dass du dir so viel Zeit für uns genommen und den Aufenthalt auf Sal zu so einem Erlebnis für uns gemacht hast. Danke, dass du ein Stück von dir preisgegeben, deine Gedanken mit uns geteilt und dein Land noch liebenswerter gemacht hast. Es ist schön zu wissen, dass es Menschen wie dich gibt.

Du möchtest mehr über die Kapverden erfahren? Dann schau mal in meinem Beitrag „Tipps für deinen Urlaub auf den Kapverden“ vorbei. Dort habe ich Infos und Tipps zusammengetragen, die dir hoffentlich Lust auf die Kapverden machen und dir bei deiner Planung helfen.

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  • Ariane 27. Mai 2016 at 15:34

    Was für ein schöner Einblick :) Klasse, wie aus einem Tourguide ein Freund werden kann, der einem auch die Seiten abseits einer solchen Touristen-Tour zeigt. Vielen lieben Dank für diesen tollen Beitrag zu meiner Blogparade!

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