Zürich, meine Sommerliebe

18. Juli 2015
Zürich - Blick vom Lindenhof

Ich kaufe ein i und möchte lösen: Lädeli, Badi, Törli. Und am Ende immer wieder Züri. Und bei dir möchte ich mich entschuldigen. Denn ich habe dich jahrelang ignoriert. Ich hatte Vorurteile und keine bzw. völlig falsche Vorstellungen von dir. Ich dachte, du seist langweilig, spießig, viel zu teuer und kein Ort, an dem ich mich wohlfühlen würde. Gut, teuer bist du, aber alles andere stimmt einfach nicht. Du bist schön, aufregend, abwechslungsreich, deine Bewohner scheinen die freundlichsten Menschen der Welt zu sein.

Deine Altstadt, mit ihren vielen kleinen Gassen und Häusern, Quais, Lädchen, Cafés und Restaurants ist einfach wunderbar. Die Limmat, die sich durch dich durchschlängelt und in die man einfach reinspringen kann, wenn es einen überkommt. Dein herrlicher See und die Ausblicke, die du einem bietest, ob vom Uetliberg oder dem Lindenhof, auf dem man unter schattigen Bäumen Boule spielt oder einfach sitzt. Da sitzt und eins ist. Mit sich und der Welt und mit dir. Zürich. Ich liebe dich. Von ganzem Herzen. Und ich werde an dich denken. Noch ganz oft.

Wenn ihr wissen wollt, wie ich Zürich gesehen habe, findet ihr hier drei mehr oder weniger umfangreiche Touren. Eine vierte führte mich in den Westteil der Stadt. Weil das aber so speziell anders war, hat es sich seinen eigenen Beitrag mehr als verdient.

Tour 1: Für Powershopper und Barnixen

Sie beginnt am Hauptbahnhof und führt euch über Zürichs bekannte Einkaufsmeile, die Bahnhofstraße. Nachdem ihr euch dort verausgabt habt, aktiviert ihr eure letzten Energiereserven und geht hinauf zum Lindenhof, einem der ältesten Plätze der Stadt.

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Nach einer Verschnaufpause schlendert ihr die Pfalz- und Strehl-Gasse entlang, drückt eure Nase an den Schaufenstern süßer kleiner Läden platt und gelangt über die Schipfe zur Rathausbrücke und an die Limmat.

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Dort angekommen, geht ihr Richtung Bürkliplatz, die Wühre und den Stadthausquai entlang, und kommt so zur Frauenbadi. Eine traditionelle Einrichtung, die euch in der Limmat baden lässt. Unter freiem Himmel und mitten in der Altstad Zürichs. Der Name ist hier allerdings Programm: Zum Badi haben nur Frauen (und kleine Männer bis 6 Jahre) Zutritt. Zumindest tagsüber. Denn ab 20 Uhr verwandelt sich die Badi mittwochs, donnerstags und sonntags in die bar fuss bar. Ein wirklich toller Ort, um einfach rumzuhängen oder eine der Veranstaltungen mitzunehmen, die dort regelmäßig stattfinden.

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Die Bade- und Barsaison geht von Anfang Mai bis Mitte September. In dieser Zeit hat die Badi täglich ab 9 und je nach Witterung bis 19.30 Uhr geöffnet. Um schwimmen zu können, blättert ihr 8 CHF auf den Tresen. Wenn euch der Sinn nach noch mehr Entertainment steht, findet ihr dieses gleich nebenan im Bauschänzli, einem hübschen Biergarten und Restaurant. Dort könnt ihr am Abend zu Discoklassikern und Vermischtem aus allen möglichen Jahrzehnten unter dem aufgehenden Mond in die Nacht hinein schwofen, pogen, hotten oder twisten. Nennt es, wie ihr wollt. Hauptsache, ihr habt maximal viel Spaß dabei.

Tour 2: Für Flaneure und Nostalgiker

Ausgeschlafen und ordentlich gekämmt, startet ihr vom Central (unweit des Hauptbahnhofs) mit der kleinen zahnradbetriebenen Polybahn in luftige Höhen. Innerhalb von ein bis zwei Minuten wird sie euch auf den Hügel befördern, auf dem sich die ETH, die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich, befindet. Falls der so genannte Studentenexpress nicht fährt, kommt ihr auch mit den Tramlinien Nr. 6 und 10 da hoch. Was das soll? Naja, zum einen ist das von Gottfried Semper (ja, der mit der Dresdner Oper) entworfene Gebäude recht sehenswert. Außerdem bietet sich euch von der großen Terrasse hinter dem Gebäude eine weitere schöne Aussicht über Zürich.

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Anschließend geht es zum Neumarkt, eine der schönsten Gassen der Stadt. Neben hübschen alten Häusern, findet ihr auch hier unzählige kleine Läden, die von Goldschmiedewaren, Schmuck, Textilien, Hüten aller Couleur für die Dame und den Herrn von Welt, bis hin zu Kunstwaren, Keramik und Wohnaccessoires alles bieten, was das Herz begehrt. Erfrischen könnt ihr euch im Sommernachtstraumgarten der Wirtschaft Neumarkt oder direkt gegenüber in der Kantorei, zum Beispiel mit lecker hausgemachter Ingwerlimonade.

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Von dort führt euch der Weg über die Spiegelgasse vorbei an einem Haus, in dem Lenin etwas mehr als ein Jahr wohnte und wo er vermutlich die Oktoberrevolution ausheckte. Und als wäre das nicht schon genug, werdet ihr nur wenig später auch noch an dem Haus vorbei kommen, in dem der Dadaismus das Licht der Welt erblickte, das Cabaret Voltaire. Wenn ihr dort von der Spiegel- in die Münstergasse abbiegt, wird sie euch direkt zum Großmünster bringen und von da ist es nur ein Katzensprung über die Münsterbrücke zur Kirche Fraumünster, mit den weltberühmten Fenstern Marc Chagalls.

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Danach wollen euch eure Füße nicht mehr tragen, das verspreche ich euch. Macht aber nichts. Geht einfach noch ein kleines Stück über die Wühre an der Limmat entlang, bis zum Hotel zum Storchen. Dort setzt ihr euch in eines der kleinen Boote der Zürichsee (ca. alle 30 Minuten) und macht eine kleine Rundfahrt über die Limmat und den Zürcher See.

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Wenn ihr wieder fit seid, fahrt ihr am Abend ab Hauptbahnhof mit der S-Bahn S10 noch hinauf zum Uetliberg (Fahrt dauert ca. 20 min). Am Endbahnhof geht ihr entgegen der Fahrtrichtung und folgt dem Wegweiser Richtung Uto Kulm. Nach einem ca.15 minütigen Fußweg (leichter Anstieg) habt ihr es geschafft. Neben einem Hotel mit Restaurant, gibt es einen Aussichtsturm (2 CHF oder 2 Euro Stück bereithalten) von dem ihr aus 900 Metern Höhe (keine Panik, der Berg selbst ist auch schon mit eingerechnet), den vermutlich besten Ausblick über Zürich und Umgebung erhaschen könnt.

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Tour 3: Für Erholungsbedürftige

Das war alles furchtbar anstrengend und ihr braucht einen Ruhetag? Gar kein Problem. Packt die Badehose ein, begebt euch zum Bürkliplatz (oder zu einer anderen Bootsanlegestelle) und lasst euch gemütlich mit einem der kleinen Boote bis zur Station Zürichhorn am Ostufer des Zürcher Sees schippern. Dort erwartet euch eine fantastische Parkanlage mit ausreichend Liegewiesen, kleinen Badebuchten und Kieselstrand. Eintritt müsst ihr dort keinen zahlen.

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Dafür könnt ihr euer Geld in den Biergarten oder eines der Restaurants investieren. Oder ihr sorgt selbst für euer leibliches Wohl und bringt auch Grillgut mit, das ihr einfach auf einen der ebenfalls kostenlos nutzbaren Elektrogrills werfen könnt. Zwischendurch stürzt ihr euch ab und zu in den See. Und falls es euch doch irgendwann fad wird, macht ihr einfach für 4 CHF eine Flühlingslolle volwälts und wandelt durch den kleinen Chinagarten, der sich ebenfalls im Park befindet.

Tipp zur Fortbewegung

Zürich verfügt über ein extrem gut ausgebautes Verkehrsnetz und es lohnt sich auf jeden Fall, in eine Tageskarte zu investieren. Sie kostet 8,60 CHF, ist 24 Stunden ab Kauf gültig und ihr könnt euch mit ihr in der Zone 110 (komplette Stadtnetz Zürich und auch bis/vom Flughafen) ganz hemmungslos fortbewegen, ein-, aus- und umsteigen, bis euch schwindlig wird. Nutzen könnt ihr mit der Karte u. a. auch die Polybahn, die Zürichsee Boote und sogar die S-Bahn bis zum Uetliberg. Achtet aber unbedingt darauf, wann ihr in Zürich unterwegs seid. Denn in den Nächten von Freitag auf Samstag und Samstag auf Sonntag ist ab ca. 1 Uhr nachts bis in die frühen Morgenstunden ein Nachtzuschlag zu zahlen, der noch einmal 5 CHF kostet und zusätzlich zum regulären Ticket erworben werden muss (z. B. am Automaten, per SMS oder App erhältlich).

Habt ihr Lust auf noch mehr Zürich? Dann lest auch noch meine Tipps für Zürich-West!

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Städtetrip nach Zürich: Drei Touren durch die wunderschöne Altstadt

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  • Janine 28. Februar 2016 at 21:13

    Ich habe kurz überlegt, ob ich den Beitrag öffnen soll…Zürich dachte ich: Gähhn…
    Aber dann dachte ich: Muss vielleicht doch was dran sein.
    Und dann lese und sehe ich deinen Beitrag und ärger mich…gerade gestern haben wir einen Flug nach Kopenhagen gebucht…wir haben geschaut wo man für ein verlängertes WE günstig hin kommt. Zürich wäre noch günstiger gewesen..aber da dachten wir beide: Ach nöö..Zürich..langweilig, spießig, teuer.
    Danke für das neue Bild, dass du mir gerade geschenkt hast. :-)
    Jetzt steht Zürich definitiv mit auf der Reiseliste.

    • Lu 29. Februar 2016 at 8:02

      Mich hat die Stadt auch sehr überrascht und ich würde auf jeden Fall wieder hinfahren. Und du sei nicht traurig wegen Kopenhagen. Erstens soll es da auch ganz wunderbar sein und zweitens ist das Jahr noch so lang. Ich behaupte einfach, dass der Sommer eh am besten ist, um nach Zürich zu fliegen. So! :)

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