Von Spanien nach Portugal: Tagesausflug nach Marvão

9. Dezember 2017
Aussicht von der Festung von Marvão in Portugal

Drei Bananen und sechs Puddingteilchchen, die in Alufolie gewickelt sind. Das ist der Proviant, den unser spanischer Nachbar Alberto oben auf dem Berg aus seinem Rucksack zaubert. Hat er extra eingepackt für unseren Ausflug nach Marvão. Eine kleine Stadt in Portugal, nur wenige Kilometer hinter der Grenze.

Das hat sich so ergeben, als wir herausfinden wollen, auf welchen Märkten er seine Frutos Secos, also Trockenfrüchte, verkauft. Denn das ist sein Job. Er zählt alle Orte auf, auch dieses Marvão in Portugal. Es sei so umwerfend schön, dass er uns sofort Bilder zeigen muss. Ein Blick reicht aus und es steht fest, dort müssen wir hin. Ob es uns am Donnerstag passt? Da hat Alberto wie alle anderen frei, weil die Guardia Civil ihren Nationalfeiertag zelebriert. Wir könnten zusammen fahren. Die Sache ist direkt geritzt.

Mit Hilfe von Google wird am Abend vorher die Abfahrtszeit verhandelt. 9 Uhr ist die Idee. Das freundliche Übersetzungstool fügt eigenmächtig noch das Wort „Punkt“ hinzu, obwohl das keiner gesagt hat. Trotzdem wird die deutsche Pünktlichkeit einfach in den Satz gemogelt. Das fällt auch Alberto auf. Danach liegt er lachend unter dem Tisch. Wie so oft. Aber am nächsten Morgen steht er wieder stramm. Hinter unserem Gartenzaun und keine Sekunde zu spät.

Auf nach Marvão – aber bitte schön calma y tranquillo

Wenig später nähern wir uns auf kurvenreichen Straßen diesem unbekannten Marvão. Die Landschaft ist in Portugal plötzlich viel grüner und saftiger. Unendlich viele Esskastanienbäume stehen hier. Die reifen Früchte winken schon aus ihren Hüllen heraus. Bereit für die Ernte rufen sie, aber keiner scheint sie zu hören.

Auch Alberto ruft immer mal wieder etwas. „Calma y tranquillo“ – ruhig, ganz ruhig. Immer dann, wenn der Mann um die nächste Kurve schießt. Die Straßen sind eng hier, die Sicht ist eingeschränkt. Ob er Angst hat, frage ich. Nein, nein, aber – calma y tranquillo. Beschwichtigend kommen dabei in spanischer Manier seine Hände zum Einsatz. Dann umklammert er wieder den Griff der Beifahrertür. Das sehe ich wohl von hinten. Genauso wie er versucht, dabei sehr gelassen aus dem Fenster zu schauen.

Seine Anspannung lässt nach, als Marvão vor uns auftaucht. Weiß und anmutig liegt es auf seinem Hügel. Über 800 Meter ist er hoch. Oben erwartet uns nicht nur ein bezaubernder, historischer Ort. Auch eine alte Festungsanlage thront hier. Sie beschert uns einen großartigen Ausblick, wenngleich etwas getrübt an diesem Tag. Rauch und Asche hängen in der Luft. Sie stammen von den vielen Feuern, die gerade im Norden Portugals wüten. Aber meine Vorstellungskraft reicht, um mir auszumalen, wie es wohl bei richtig klarem Himmel sein würde.

Alberto sagt, dass er ab und zu hierher kommt. Dann lehnt er an einer der Mauern, schaut übers Land und hinüber zu der anderen Festung, die von hier aus zu sehen ist. Dabei stellt er sich vor, wie es damals gewesen sein muss. Wie hier gelebt und verteidigt wurde. Wie die Festungen per Rauchzeichen miteinander kommuniziert haben. Irgendwer wollte immer was erobern. Erst die Römer, dann die Mauren, später die Spanier und auch die Franzosen mischten mit. Über Jahrhunderte ging das so. In seiner Fantasie gab es sicher auch in jüngerer Vergangenheit noch das ein oder andere Scharmützel. Vielleicht sogar gerade in diesem Moment. Mit einem verschmitzten Lächeln winkt er von dem Kanonenrohr herüber, auf dem er es sich gemütlich gemacht hat. Seine Beine baumeln vergnügt in der Luft, während er uns die mitgebrachten Snacks herüber reicht.

Mit seinen weiß getünchten Häuschen und schmalen Gassen zieht uns Marvão endgültig in seinen Bann

Im Gegensatz zu früher, geht es heute in Marvão beschaulich zu. Nur etwas mehr als einhundert Menschen leben noch im historischen Ortskern. Es ist ein ruhiger und friedlicher Ort. An den meisten Tagen schließt er nicht einmal sein Auto ab. Das alles erzählt uns der Besitzer eines winzigen Geschäfts. Ein netter, älterer Herr, der hier ebenso winzigen Kaffee und Souvenirs verkauft. Gemeinsam knabbern wir draußen im Schatten ein paar seiner Haferplätzchen und plaudern ein bisschen. Zwei Damen gesellen sich noch dazu. Wie ich solche Momente mag! Genauso wie dieses Marvão, mit seinen hübschen, weiß getünchten Häuschen und schmalen Gassen. Es hat uns in seinen Bann gezogen. Das stellt auch Alberto zufrieden fest, bevor es schön calma y tranquillo wieder zurück nach Spanien geht.

Infos zu Marvão

Lage
Marvão befindet sich in der Region Alentejo im Osten Portugals, etwa 10 bis 15 Kilometer von der spanischen Grenze entfernt. Wir sind hier während unseres Roadtrips durch Spanien gelandet. Von den Städten Cáceres (ca. 117 km entfernt) und Badajoz (ca. 90 km entfernt), die in der spanischen Extremadura liegen, erreichst du Marvão mit dem Auto in etwa 90 Minuten. Aber vielleicht bist du ja auch gar nicht in Spanien, sondern in Portugal unterwegs. Dann wirst du sicher einen alternativen Weg in dieses hübsche Städtchen finden.

Sehenswertes
Natürlich musst du dir auf jeden Fall die Festungsanlage anschauen und die Aussicht genießen. Im Anschluss bietet sich ein Spaziergang entlang der Burgmauern an. Aber auch ein Bummel durch die Gassen des alten Ortskerns sollte nicht zu kurz kommen. Hier gibt es nicht nur viele schöne Häuser und kleine Kirchen, sondern auch ein paar Läden zu entdecken.

Meine Café-Empfehlung
Cafés und Restaurants haben wir in Marvão einige gesehen. Wir sind im O Castelo – Café Lounge (Travessa da Corredoura 1) gelandet und mir hat es hier richtig gut gefallen. Zum Café gehört ein kleiner, hübscher Garten, in dem man sehr gemütlich sitzen kann. Auf der Karte stehen neben einer Auswahl an Getränken auch verschiedene Snacks. Das O Castelo ist bestens geeignet, um ein bisschen zu entspannen und dabei die tolle Aussicht zu genießen, die sich von hier aus bietet.

Kastanienfest im November
Du bist zufällig im November in der Nähe? Dann solltest du vielleicht beim „Festa do Castanheiro“ vorbei schauen, das seit einigen Jahren immer Mitte November in Marvão stattfindet. Dort dreht sich alles um die Kastanien, die offensichtlich doch irgendwann jemand erhört und erntet. Viele Restaurants haben während des Fests Maronen-Spezialitäten auf ihren Karten und auch in den engen Gassen der Stadt soll dann einiges los sein. Wir selbst haben es nicht erlebt, aber ich stell mir das ganz fabelhaft vor!

Falls du dich noch ein bisschen in Portugal herumtreiben magst, dann lies auch meine Artikel über Lissabon oder hüpf rüber auf die Azoren und erlebe eine Whale Watching Tour. Und wenn du hier nichts mehr verpassen willst, folge mir auf FacebookInstagram oder Twitter.

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2 Comments

  • Reply Wolfgang 11. Dezember 2017 at 21:59

    Oh ja, Marvão ist cool. Wie überhaupt der ganze Alentejo, ach was sage ich … wie überhaupt ganz Portugal! 😍

    • Reply Lu 12. Dezember 2017 at 10:42

      Word! :)

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