Kapverden: Die Insel Sal auf einer Rundfahrt entdecken

16. Oktober 2013

Mit unserem Guide Eddie sind wir heute zu einer Inselrundfahrt auf Sal verabredet. Außer, dass sie ungefähr einen halben Tag dauern wird, habe ich mir ehrlich gesagt ansonsten kaum Gedanken gemacht, wie dieser Ausflug vonstatten gehen wird. Fragen, ob Eddie ein Auto oder überhaupt einen Führerschein besitzt, kamen mir nicht in den Sinn. Als wir aus dem Hotel fallen, stellt sich heraus, dass er weder über das Eine noch das Andere verfügt. Stattdessen wartet er gemeinsam mit einem Taxi samt Fahrer auf uns. Das nenne ich mal extravagant. Der Mann und ich schwingen uns erwartungsvoll auf den Rücksitz. Dann fahren wir los. Einmal quer über die Insel. Bitte.

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Salinen in Santa Maria

Salinen in Santa Maria
Unser erster Stopp ist ein nahe gelegenes Salinengelände, die ehemaligen Salzpfannen von Santa Maria. Eine bizarre weiße Landschaft aus Kristallen. Sie erwartet uns, rötlich schimmernd und hüllt uns, gemeinsam mit dem Sonnenlicht und dem blauen Himmel ein, in einen Zuckerwattetraum in Pastell. Ich fühle mich wie in einem Wintermärchen ohne Schnee und Kälte. Abgesehen davon, dass es schön aussieht, bietet dieser Ort einen weiteren Vorteil: Salz in Hülle und Fülle. Man muss nur zugreifen.

Auch wir warten nicht lange und fangen an, für Eddies Küche kleine und große Salzkristalle zu pflücken. Mit denen hat er für die nächsten Wochen ausgesorgt. Nicht ganz unpraktisch, so ein Salzsupermarkt ohne Öffnungszeiten und Kassen direkt um die Ecke. Damit es keinen Engpass gibt und auch sein nächster Einkauf reibungslos verläuft, sorgt Eddie vor und wirft noch ein paar große Steine in die salzhaltige Flüssigkeit. Neue Kristalle für den nächsten Einkauf sollen darauf wachsen. Während dieser Prozess ganz sicher schon beginnt, setzen wir unsere Reise durch eine seltsame Mondlandschaft fort.

Eddie erzählt, dass es noch zu Beginn des Jahrhunderts an diesem Ort große Sanddünen gab. In denen konnte man gut und gerne einige Stunden damit verbringen, nach Dingen zu suchen. Wie zum Beispiel nach dem Auto, das man irgendwo zwischen den Dünen abgestellt hatte. Jetzt sucht man hier den Sand. Vergebens. Außer schroffen Steinen und einer Idee von ihm ist hier nichts mehr. Er ist dem Raubbau zum Opfer gefallen und wir können ihn am Horizont sehen. Verbaut in Appartementanlagen, die zum Großteil leer stehen, weil sich keine Käufer oder Mieter für sie finden. Ein wirklich gelungenes Projekt.

Pedra Lume
Wir lassen es hinter uns. Es geht weiter Richtung Norden, vorbei am Internationalen Flughafen Amilcar Cabral, um kurz darauf nach Osten abzubiegen. Unser Ziel sind die Salinen bei Pedra Lume, die sich in einem Vulkankrater befinden. Früher wurde dort im großen Stil Salz abgebaut und exportiert. Heute steht nur noch die verwitterte Anlage als gebrochener und stummer Zeuge in der kargen Landschaft. Man blickt aufs Meer und wird erinnert an vergangene Zeiten. Ein Hauch Nostalgie mit einer Prise Salz weht durch die warme Oktoberluft.

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Pedra Lume

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Hafen von Pedra Lume

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Salinen bei Pedra Lume

Für Touristen bietet der Krater dennoch ein besonderes Erlebnis. Denn dort können wir uns ein paar Minuten schwerelos in einem See treiben lassen, dessen Salzgehalt den des Meeres um ein Vielfaches übersteigt. Über uns ziehen Schäfchenwolken am blauen Himmel dahin, begleitet von kapverdischer Musik, die aus Eddies Handy tönt. Ganz leise hören wir ihn mitsingen und sind sooo entspannt.

Espargos – die Hauptstadt der Insel Sal
Nachdem wir uns für einen Euro das Salz vom Körper und aus den Haaren gewaschen haben, fahren wir nach Espargos, die Hauptstadt der Insel Sal. Eddie führt uns in ein kleines Lokal. In einem schattigen Eckchen wollen wir verschnaufen. Dass das hier der netteste Treffpunkt des Ortes ist, scheint jedoch kein Hoheitswissen zu sein. Ein Bus, gefolgt von einem weiteren hält und spuckt unzählige, lärmende Touristen aus. Plötzlich ist es hier recht voll und wir beschließen, dass es Zeit wird aufzubrechen. Bloß schnell weg und zwar zu Fuß, um ein wenig die Stadt zu erkunden.

An einem Platz treffen wir auf eine Gruppe einheimischer Männer. Karten spielend verbringen sie gemeinsam den Tag im Schatten, den die Kronen riesiger Bäume spenden. Kein schlechter Ort für ein Casino unter freiem Himmel. Gleich nebenan befindet sich, ebenfalls im Freien, ein Minimarkt für Kleider. Neu oder gebraucht werden sie von Verwandten aus Amerika hierher geschickt. In großen blauen Plastiktonnen oder auf Leinen und Bügeln hängend, flattern fröhlich bunte Hemden, T-Shirts und Shorts und winken schon von weitem ihren neuen Besitzern zu.

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Espargos

Fahrt durch die Wüste
Wir ziehen weiter und verlassen die Stadt Richtung Norden. Unser Weg führt vorbei an einem Vorort aus Wellblech. Ein Slum, nur einen Steinwurf weit von uns entfernt. Unweigerlich habe ich einen Kloß im Hals. Aber während ich mir noch den Kopf verdrehe und ein paar verstohlene Blicke aus dem Rückfenster werfe, geht die Fahrt schon weiter. Wir lassen auch dieses Bild hinter uns und durchqueren mit dem Taxi die Wüste. Nächster Halt Fata Morgana. Es dauert nicht lange, da erstreckt sich vor uns am Horizont eine große Seenlandschaft, die Abkühlung und Erfrischung verspricht. Zum Greifen nah und doch unerreichbar.

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Nächster Halt: Fata Morgana

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Olho Azul
Wir widerstehen, müssen sowieso weiter. Ans Meer. Zum nächsten Naturschauspiel, dem Olho Azul. Eigentlich nur ein Loch in einem Vulkanfelsen. Aber es ist so geformt, dass das einfallende Licht der Mittagssonne vom Wasser in Form eines strahlend blauen Auges reflektiert wird. Tausend Diamanten funkeln uns verführerisch an. Leider ist auch hier keine Erfrischung zu holen. Dafür erwartet uns ein paar Gehminuten später ein natürlicher Swimmingpool. Ein Becken das durch Felsen vom Meer getrennt ist und uns bereitwillig zur dingend benötigten Abkühlung verhilft.

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Palmeira
Nach dem Schwimmen steht noch ein weiteres Ziel auf dem Programm und so findet unsere Inselrundfahrt ihren Abschluss in Palmeira. Ein kleiner Ort im Westen von Sal, in dem sich ein Handelshafen befindet. Das mag nach viel Lärm und Industrie klingen, aber davon bekommen wir eigentlich nichts mit. Für uns ist Palmeira ein kleiner, ruhiger Fischerort, fernab von Touristen, Hotels und Animationsprogrammen. Bunte Häuser, kleine Bars, wenig Menschen und viel Stille. Hier eröffnet sich uns ein unverstellter Blick auf einen kleinen Ausschnitt kapverdischen Lebens.

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Palmeira

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An der Mole sind gerade ein paar Fischer mit ihrem Fang eingetroffen und werden von den Einheimischen umringt. Ein kleiner Gelbflossenthunfisch wird vor aller Augen zerlegt. Viel zu früh aus dem Leben gerissen, wird er später in handlichen Kiloportionen für nicht einmal 4 Euro verkauft.

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Nachdem wir der Hinrichtung des Thunfischs beigewohnt haben, legen wir neben einer Kapelle oberhalb der Mole eine letzte Rast ein. An einem kleinen Kiosk dösen wir gemeinsam mit dem Ort und seinen Bewohnern in der Nachmittagshitze. Wer kann, sucht sich ein Plätzchen im Schatten. Auf kreolisch wird viel geredet und gelacht. Wir verstehen nichts, aber lauschen zu gern dieser Sprache, die für uns so phantastisch klingt, bevor wir uns auf den Heimweg machen, nach diesem ach so herrlichen Tag!

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Hast du Lust auf die Kapverden bekommen? Dann hole dir ein paar hilfreiche Informationen in meinem Artikel „Tipps für deinen Urlaub auf den Kapverden“. Folge mir außerdem auf FacebookTwitter oder Instagram, denn bald geht es hier weiter, mit Geschichten und Berichten aus der Welt.

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Kapverden: Entdecke die Insel Sal bei einer Rundfahrt

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