Rezension: Gehen, um zu bleiben. Wie ich in die Welt zog, um bei mir anzukommen

17. Juni 2017
Buchcover: Gehen, um zu bleiben. Wie ich in die Welt zog, um bei mir anzukommen

An einem Nachmittag im Mai ging ich sehr zielstrebig in den Buchladen meines Vertrauens. Ich grüßte kurz und verschwand genauso zielstrebig in der Ecke, in der sich die Reiseliteratur stapelt. Dort fand ich sofort, weshalb ich gekommen war. Ohne zu überlegen, griff ich zu und stand eine Minute später an der Kasse. „Das ging ja flott“, fand die Verkäuferin und ich meinte zu ihr „tja, wenn man weiß, was man will, muss man nicht lange herumeiern“. Und an diesem Tag wusste ich ganz genau, was ich wollte. Nämlich exakt dieses Buch von Anika.

Warum? Weil ich ihre Art zu schreiben mag und sowieso regelmäßig zu Besuch auf ihrem Blog anidenkt.de bin. Ich mag, dass sie Worte mag. Weil es mir genauso geht. Anika wählt sie mit Bedacht. Und sie denkt. Sehr viel sogar. Sie selbst sagt im Buch von sich, dass sie jemand ist, der alles zerdenkt, bereits Zerdachtes hin- und herwendet, um es von allen Seiten zu betrachten und es anschließend zerlegt, um es wieder zu überdenken. Auch das mag ich. Deshalb musste das Buch einfach gekauft werden. Noch dazu, weil sie darin Geschichten über ihre Reisen festgehalten hat.

Leider ging das Lesen gefühlt genauso schnell über die Bühne, wie der Kauf selbst. Kaum angefangen, ist man auch schon um die halbe Welt gereist. War unter anderem in den USA, in Indien und China. Strampelte sich auf dem Jakobsweg ab, scheiterte bei einem einsamen Roadtrip in Italien und war in Medellin hilflos einer irren Vermieterin ausgeliefert. Das ist natürlich noch lange nicht alles. Das Buch nimmt dich noch an viele andere Orte mit. Es bringt dir die Welt ein bisschen näher, setzt sich mit ihr und dem Reisen auseinander. Dabei hält es nicht nur Sonnenstrahlenmomente fest, sondern betrachtet auch kritisch die Schattenseiten.

Ich finde das angemessen. Denn wir alle wissen, dass die Welt nicht überall gut ist und das Reisen durch sie kann durchaus anstrengend sein. Es kann dich zum Heulen bringen, mal vor lauter Glück und mal vor Wut oder Erschöpfung. Reisen kann dich verzweifeln lassen, dir aber auch Stärke und Selbstvertrauen geben. Das Reisen kann dich an üble Orte bringen, aber auch an ganz fabelhafte. Reisen macht dir wieder klar, wie schön und schützenswert unsere Welt eigentlich ist und wie viele gute Menschen es da draußen gibt. Trotz des ganzen Wahnsinns, den die Medien uns täglich um die Ohren hauen.

Anikas Buch ist nicht nur gefüllt mit schönen Geschichten. Die Zeilen dazwischen sind voller Gedanken und auch voller Dankbarkeit, all das zu können: Reisen überhaupt. Die Welt entdecken und sich in sie verlieben. Innehalten. Sitzen, schauen, staunen. In fremde Kulturen eintauchen. Dinge hinterfragen. Sich eine Meinung bilden. Menschen kennenlernen. Nicht immer einverstanden, aber tolerant sein. Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft erfahren. Sich immer wieder darüber klar werden, dass aus kleinen Pannen und Unglücken auch immer etwas Positives entstehen kann.

Ob Anika auf all ihren Reisen bei sich angekommen ist? Lies selbst. Einen kleinen Vorgeschmack bekommst du auf anidenkt.de.

Danke Anika, für dieses feine, kleine und sehr persönliche Buch, von dem ich mir dringend eine Fortsetzung wünsche.

Titel: Gehen, um zu bleiben. Wie ich in die Welt zog, um bei mir anzukommen
Autorin: Anika Landsteiner
Seiten: 288
Erschienen: Goldmann Verlag
ISBN-13: 978-3442176724

© Buchcover: Goldmann Verlag

Wo du einmal hier bist, lies doch auch noch zwei von meinen Geschichten. Die erste ist von letztem Jahr und nimmt dich mit nach Rumänien. Die zweite ist ganz frisch und entführt dich zum Whale Watching auf die Azoren. Und natürlich freue ich mich, wenn du mir auf Facebook, Twitter oder Instagram folgst. Dann verpasst du nicht, wenn es hier Neuigkeiten gibt.

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4 Comments

  • Reply Ani 17. Juni 2017 at 17:51

    … gerade den Link entdeckt und mit klopfendem Herzen deine Rezension gelesen! Wow, vielen Dank! Vor allem bei deinen ersten Zeilen musste ich schmunzeln und hab mich sehr, sehr gefreut!

    Danke!

    • Reply Lu 17. Juni 2017 at 18:39

      Liebe Ani,
      schön, dass du den Link entdeckt und vorbeigeschaut hast. Freu mich, dass ich dir damit eine Freude gemacht habe.
      Weiter so!
      Liebe Grüße
      Lu

  • Reply Monique 10. Juli 2017 at 19:19

    Liebe Lu,
    danke für diese tolle Rezension. Ich habe vor kurzem von diesem Buch gelesen und deine Rezension hat dazu beigetragen, dass ich mir dieses Werk wohl auch zulegen muss.
    LG Monique

    • Reply Lu 10. Juli 2017 at 20:47

      Liebe Monique,
      danke für deinen lieben Kommentar. Bei dem Buch kannst du absolut nichts falsch machen. Das ist wirklich toll und genau richtig als Sommerlektüre. Es wird dir ganz bestimmt gefallen.
      Liebe Grüße und viel Vergnügen beim Lesen.
      Lu

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