Kapverden: Wasser und Strom

17. November 2013

Wenn man in Deutschland lebt und gerade von dort kommt, ist man so einiges gewohnt. Zum Beispiel immer fließend Wasser aus der Leitung, nach Bedarf warm oder kalt, das in der Regel auch zum Trinken geeignet ist. Auch Strom gibt es im Überfluss und das eigentlich immer und zu jeder Zeit. Auf den Kapverden ist das anders. Bereits im Vorfeld wurden wir gewarnt, dass wir uns vor dem Wasser in Acht nehmen sollen. Auch vor Ort fanden sich immer wieder Hinweise. Der verwöhnte europäische Organismus scheint für das Wasser hier nicht ausgelegt zu sein. Man soll es nicht in flüssiger Form aus dem Hahn konsumieren. Auch Eiswürfel sind tabu. Erfrischung und Wohlbefinden hin oder her. Wasser nur aus Flaschen. Am besten mit Kohlensäure. Damit kann man am wenigsten falsch machen. Bei stillem Flaschenwasser lohnt sich vor dem Kauf ein Blick auf den Verschluss. Es soll gewitzte Verkäufer geben, die leere Flaschen mit Leitungswasser auffüllen und diese dann als Originalprodukt wieder in die Nahrungskette schummeln. Als wäre das an einem Ort, wo man ständig Durst und vor allem Durst auf etwas Kaltes hat, nicht schon genug, soll man sich mit dem Leitungswasser auch auf keinen Fall die Zähne putzen. Insgesamt ist man also zwangsläufig ständig mit der Beschaffung von sicherem Wasser beschäftigt. Diesen vergleichsweise geringen Aufwand solltet jedoch auch ihr gern in Kauf nehmen. Sonst habt ihr ganz schnell ganz andere, wirklich unschöne Probleme. Mit dem Magen oder dem Darm oder beidem. Beim Strom sieht es da schon etwas besser aus. Den könnt ihr auch als Europäer sorglos und direkt aus der Steckdose genießen. Allerdings nur, wenn es ihn gibt und das ist nicht immer der Fall.

In unserer Unterkunft in Tarrafal gab es Strom beispielsweise nur rationiert zwischen 11 und 13 Uhr und dann noch einmal für mehrere Stunden am Abend. In diesen Zeiten hängten wir alles an die Steckdosen, was mit Strom gefüttert werden konnte und musste. Man weiß ja nie, ob der am nächsten Tag auch wieder da sein wird. Aber egal, wie sich der Strom entschied, so oder so war es in Tarrafal Punkt 23 Uhr vorbei mit der Elektrizität. Darauf war Verlass. Mit einem Schlag wurde es zappenduster. Alles aus. Alles. Das passierte mir in der Regel immer dann, wenn ich gerade beim Zähneputzen oder auf Insektenjagd war oder schnell nochmal aufs Klo musste. Die Taschenlampe war grundsätzlich nie zur Hand, weil sie täglich irgendwo zwischen Kleiderbergen und anderem Ramsch verschüttet wurde. Das ist fast schon grob fahrlässig, denn die Dunkelheit dort ist enorm. Leider trat keinerlei Lerneffekt ein und wir wurden immer und immer wieder von ihr überrascht. Oft habe ich mir eine Stirnlampe mit Sensoren gewünscht, die einfach automatisch angeht, sobald alles andere ausgeht. Aber so ein herrliches Utensil besitze ich leider nicht.

Dabei hätten wir es auch in Mindelo gut gebrauchen können. Eines Abends hatten wir gerade das Casa Colonial verlassen, um irgendwo einen schönen Burger zu essen. Doch wie auf Knopfdruck hüllte die Dunkelheit plötzlich auch hier alles ein. Straßen, Menschen, Häuser. Stromausfall. Aus allen Richtungen hören wir genervte Ausrufe. Das schien also keine Seltenheit zu sein. Die zwei Laternen vor dem Präsidentenpalast hatten offenbar Sonderstatus und durften – zumindest in meiner Erinnerung – weiter leuchten. Der Präsident soll es ja schön haben. Ansonsten war es das wohl erst einmal. Wir entschieden uns zur Überbrückung die Musikkneipe um die Ecke anzusteuern. Da waren wir sowieso fast schon Stammgäste und wir hofften auf etwas Geborgenheit. Die Bedienung war zwar gerade schwer damit beschäftigt, die Notbeleuchtung in Form von Kerzen in Gang zu bringen, rückte dann aber doch zwei Strela raus. Mit diesem schönen Bier setzten wir uns an die Straße und wollten abwarten. Im Dunkeln durch die Gegend zu irren war uns nicht geheuer. Schließlich soll hier eine Bande ihr Unwesen treiben, die bevorzugt Touristen um ihr Urlaubsbudget erleichtert. Wenn man nicht teilen will oder vorsichtshalber gar kein Geld dabei hat, schrecken die Gang-Mitglieder auch nicht vor drastischeren Maßnahmen zurück. Also saßen wir vor der Kneipe und starrten ins Dunkel, das nur erhellt wurde durch die Scheinwerfer der Autos. Ich dachte mir so, dass alle Städter gleichzeitig ins Auto gesprungen und ein bisschen herumgefahren sind, um für die fehlende Straßenbeleuchtung zu sorgen. Aber wer weiß das schon. Das Spektakel dauerte circa 30 Minuten. Dann war der Strom zurück. Überall ging das Licht wieder an und der Trubel im gewohnten Rhythmus weiter. So ein Stromausfall ist also keine große Sache.

Anders sieht das aus, wenn plötzlich gar kein Wasser mehr aus der Leitung kommt. Nicht mal das, was man nicht trinken soll. Eine interessante Erfahrung, die wir für einen halben Tag in Tarrafal machen durften. Aufgefallen war es mir, als ich nur mal eben meine Hände waschen wollte. Nicht weiter schlimm könnte man meinen. Aber schon klopft der Vater aller Dinge an. Der Gedanke. Mit dem ist es wie mit einem Ohrwurm. Einmal im Kopf eingenistet, wird man ihn so schnell nicht los und meist nimmt es kein gutes Ende. So war es auch an diesem Vormittag. Denn kein Wasser aus dem Hahn, hieß auch, dass der Spülkasten der Toilette von der Frischwasserzufuhr abgeschnitten war. Ganz wunderbar. Von diesem Moment an war ich sehr lebhaft mit der Verdrängung von Bedürfnissen beschäftigt. Das dauerte mehrere Stunden an. Zum Glück gibt es aber immer und überall Menschen, die zwanghaft investigativ unterwegs sind und manchmal Dinge herausfinden, die der Allgemeinheit von großem Nutzen sind. Einer von ihnen enthüllte, dass nicht alle sanitären Einrichtungen der Anlage in Streik getreten waren. Das gab natürlich ein großes Hallo und schönes Happening vor dem Toilettenhäuschen. Der Tag war also erst einmal gerettet.

Ein paar Tipps:
Wenn ihr vor habt, auf die Kapverden zu fahren, packt euch auf jeden Fall eine Taschenlampe und Ersatzbatterien ein. Je nachdem, wie ihr euren Urlaub gestaltet und wo euch eure Reise hinführen wird, sind für den Notfall Tabletten sinnvoll, mit denen ihr euer Wasser filtern könnt. Die bekommt ihr in jedem gut sortierten Outdoor Shop. Und wenn schon alles zu spät ist, dann solltet ihr zumindest ein Mittel gegen Durchfall und Magenbeschwerden dabei haben. Am besten fragt ihr vor der Reise euren Hausarzt. Unter Umständen wird der euch eine Hepatitis-Impfung nahe legen. Aber lasst euch von all dem bloß nicht abschrecken. Ich hatte den ganzen Urlaub und auch danach keine Beschwerden, obwohl ich mir die Impfung gespart habe.

Noch mehr Tipps für die Kapverden findet ihr hier. Folgt mir außerdem auf FacebookTwitter oder Instagram, denn bald geht es hier weiter, mit Geschichten und Berichten aus der Welt.

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  • Funkturm, im Moment Funkgerät 22. Januar 2016 at 13:10

    Hallo Lu,

    ich bin mal wieder verzückt. Du kannst halt schreiben.

    • Lu 22. Januar 2016 at 19:44

      Danke Funky!
      Und schön, dass du dich hier auch verewigt hast. :)
      Liebe Grüße
      Lu

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