Insomnia – warum ich auf den Kapverden einfach. Nicht. Schlafen. Konnte.

10. November 2013

Schlafen. Herrlich. Meine Spezialdisziplin. Würde es ein Olympiade geben, wäre ich unangefochten für die nächsten Jahre ganz weit vorn. Legt mich irgendwo hin und ich schlafe. 6, 8, 12 Stunden. Da bin ich flexibel. Einfach so lange, bis ich wieder geweckt werde. Je länger, umso besser. Versteht sich. Aber manchmal geht es einfach nicht. Und es gibt Tage, an denen ist das auch gut so.

Sal
Klimaanlage? Läuft. Unfähigkeit, diese vernünftig einzustellen? In höchstem Maße vorhanden. Ohne zu warm, mit zu kalt. Dazwischen wach. Einfach wach. Fürchterlich schwitzend. Oder frierend und dann ständig auf der Suche nach dieser Decke. Aber die ist weg. Nicht auffindbar, mit Augenschlitzen, die nur mühsam im 16:9 Format ins Halbdunkel blicken. Dann finde ich sie. Hat sich verkrochen, unter dem Bett, um sich vor der Kälte zu schützen. Wieder vereint, geht es besser. Aber nicht lang. Auf Teufelskreise ist Verlass. Aber noch bin ich nicht in der Lage, etwas daraus zum machen.

Mindelo
Wochenende. Die Stadt feiert. Singt. Lacht. Brummt. Macht halt so Geräusche. Nicht schlimm, aber lenkt vom Schlaf ab. In Gedanken bin ich dabei und vor lauter Lebensfreude geht schlafen nicht. Allerdings zu müde, um aufzustehen und hinzugehen. Also weiter lauschen. Hunde. Auch voller Freude und voller Geräusche. Mal mehr, mal weniger. Schönste Monotonie. Jetzt? Jetzt! Ich schleiche mich über die Schwelle und bin off. Wieder on. Off. On. Hitze. Dann Wind. Rüttelt an den Fensterläden. Will rein ins Zimmer, pfeift durch alle Ritzen. Versucht, das Haus vom Berg zu blasen. Gelingt ihm nicht. Dann schon der Morgen. Noch blau, mit Mond, aber da. Voll da auch die Spatzen. Hunderte. Zwitschern laut und vergnügt, als gäbe es nur diese eine Gelegenheit. Alles in die Welt hinausschreien, was auf der Seele brennt. Ich gebe auf. Stecke den Kopf aus dem Fenster und höre zu. Genieße den Blick auf die Stadt, den Hafen. Die Sonne geht auf und ich bin glücklich. Überglücklich. Denn Morgenmomente wie diesen gibt es in meinem Leben kaum. Fast nie. Ich sollte das ändern.

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Tarrafal de Monte Trigo
Hitze auch hier. Ganz klar. Klimaanlage sinnlos ohne Fensterscheiben. Glänzen beide durch Abwesenheit. Dafür ein Hauch von Grusel. Ein bisschen davon. Jeden Abend ab 23 Uhr. Der Strom knipst sich und das Licht aus. Automatisch. Dann ist es finster. Stockfinster. Inmitten einer Oase das Zimmer. Nur Stoffvorhänge trennen es von der Welt da draußen. Wo Spinnen wohnen. Natürlich. Vielleicht kommen sie rein. Zu uns. Ich weiß, dass sie es tun. Die Brandung des Atlantiks hilft mir. Lenkt mich ab und spült den Gedanken weg. Tut das sehr laut und raubt auch den Schlaf. Wellen werfen sich ans Ufer. Mit aller Macht. Immer wieder und wieder. Das Meer ist nicht weit weg. Ein paar Meter nur. Wieder Schlaf durch Monotonie. Oder Erschöpfung. Mücken, die stechen. Zum Glück ohne zu summen. Stören erst später, wenn sie längst fort sind. Dafür Punkt 4.30 Uhr der Hahn. Wohnt direkt nebenan mit seiner Hühnerschar und muss sich zu Wort melden. Jeden Morgen und recht ausführlich. Ruft dann auch später nochmal. Und nochmal. Er hat das Potenzial erkannt, das in mir schlummert, während ich wieder früh aufstehe und in einen Tag, voll neuer Geschichten starte. Und wieder glücklich bin.

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Du findest die Kapverden trotz drohender Schlaflosigkeit spannend? Sehr gut! Dann lies meine „Tipps für deinen Urlaub auf den Kapverden“ und entdecke Sal bei einer Inselrundfahrt. Folge mir außerdem auf FacebookTwitter oder Instagram, denn bald geht es hier weiter, mit Geschichten und Berichten aus der Welt.

Fotocredit: erstes Bild im Post (Nachtaufnahme Mindelo) © Matthias Zwanzig

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Insomnia: Warum ich auf den Kapverden einfach nicht schlafen konnte

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  • Wagner 24. August 2015 at 20:30

    Mal wieder einfach nur genial … mir die Müdigkeit des Abends zu nehmen … lesen unter Tränen – vor schmunzeln … lachen …

    Mehr als amüsiert ergebe ich mich dem abendlichen Alltagstrott – leider ohne diese tolle Kulisse – und werde irgendwann schmunzelnd zu Bett gehen.

    Dankeschön und auf ein Neues :)

    • Lu 24. August 2015 at 21:34

      Ebenfalls danke und nachher eine angenehme Nachtruhe. :)

  • Urs 12. Juni 2016 at 19:41

    Spatzen Rauben dir den Schlaf in den Kapverden. Hühner sind’s in den Philippinen. Kaum geht die Sonne auf fängt Hahn 1 an. Hahn 2 übernimmt. Hahn 3 stimmt mit ein. Und schon ist der erste Hund wegen dem Gebrüll wach und Bellt seinen Unmut in die Morgenluft. Ein ganz normaler Morgen in den Philippinen. I. MISS.IT.
    LG, Urs
    PS: sehr schöner Blog und so inspirierend frisch geschrieben. Da kann ich noch was lernen ;)

    • Lu 13. Juni 2016 at 14:45

      Hi Urs, erstmal vielen Dank fürs Lob im PS! Freut mich natürlich sehr, wenn mein Blog gut ankommt. Und ich vermisse die Kapverden ebenso, mit all dem Biolärm, der mir den Schlaf geraubt hat. :) Liebe Grüße Lu

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