Bilbao: Wie aus einem Kacktag doch noch etwas wurde.

25. Oktober 2015

Wie von der Wetter-App angekündigt, war das Wetter in Bilbao eine Vollkatastrophe. Der kleine Funke Hoffnung, dass sich jemand mit der Vorhersage vertan hatte, fiel vor Ort in eine gigantische Pfütze, ertrank und wurde von einem Rinnsal erfasst. Wir konnten zuschauen, wie er die Straße hinunter gespült wurde, um dann irgendwo in einem Gulli zu verschwinden. Drum herum war es kalt, grau und schüttete wie aus Kübeln. Passanten hasteten durch die Straßen und versuchten sich durch Schnelligkeit, mit Schirmen oder Zeitungen, die schon drohten, sich wieder in ihre Bestandteile aufzulösen vor den Wassermassen zu schützen, denen sie von oben, unten, links und rechts ausgesetzt waren. Das ist nicht untypisch für diese Stadt, aber so war mit ihr nicht viel anzufangen. Bis auf Weiteres wird sie mich optisch vor allem an die Innenseite meines Regenschirms erinnern. Ein Jammer, denn das, was ich darüber hinaus erhaschen konnte, schien sehr schön zu sein.

Aber ich hatte Glück im Unglück und so ganz verdorben war der Tag dann doch nicht. Denn das Guggenheim wurde zu unserer rettenden Insel mitten im Wetterdebakel. Mal ganz abgesehen von der ausgefallenen und sehenswerten Architektur, war der Besuch für mich ein bisschen wie Weihnachten, Ostern und Geburtstag auf einmal. Von der Überraschung, die dort auf mich wartete, wusste ich schon vorher, weil ich geschaut hatte, welche Ausstellungen gerade laufen. Nach dem ersten Blick auf die Museumswebsite musste ich mir gründlich die Augen reiben und die Seite mehrmals neu laden, weil ich es nicht glauben konnte. Als ich mir ganz sicher war, dass es sich nicht um ein Hirngespinst handelt, bin ich vor Freude ausgeflippt und wie ein Flummi durch unser Zimmer gesprungen. Denn es gab eine Ausstellung von Jean-Michel Basquiat, dem ich während des Studiums verfallen war. Alles nur wegen des Films „Basquiat“ von Julian Schnabel. Ein wirklich schönes Portrait über diesen Künstler, der sich leider Ende der 80er mit einer Überdosis Heroin aus dem Leben katapultiert hat, als er noch nicht mal 30 Jahre alt war. Die Ausstellung war großartig und am Ende konnte ich gar nicht mehr böse sein, dass der Regen draußen nicht aufhören wollte und ich alle Zeit der Welt hatte, um mir die Bilder in Ruhe anzuschauen. Und ich stelle mit großer Zufriedenheit fest, dass aus diesem anfänglichen Kacktag mit Schlechtwetterlaune doch noch etwas geworden ist, an das ich mich gern erinnern werde.

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  • Anna 8. Februar 2016 at 18:12

    Ja, solche Tage gibt es. Aber meistens hat man Glück und es findet sich etwas, das man stattdessen unternehmen kann. Ganz zur Not wartet in irgendeinem Café noch eine heiße Schokolade, mit der man seinen Frust runterspülen kann. :-)

    Herzlich,
    Anna

    • Lu 11. Februar 2016 at 20:17

      Genauso ist es, Anna. :)
      Liebe Grüße
      Lu

  • Janine 28. Februar 2016 at 21:07

    Manchmal regelt das Leben alles von allein…
    Das Guggenheim Museum finde ich übrigens auch super..ich war vor ca. 6 Jahren dort…
    Leider war ich allerdings krank…so das mir von der Stadt an sich auch nicht viele Bilder im Kopf geblieben sind…eigentlich weiß ich nur noch wie schlecht es mir ging… haha….

    • Lu 29. Februar 2016 at 8:00

      Dann haben wir ja in etwa gleich viel von Bilbao gesehen. ;)

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